Der Arbeitskräftemangel macht auch vor Agenturen nicht halt. Die Employer Branding Agentur yeaHR! aus Düsseldorf hat das verstanden. Neben Remote Work bietet sie ihren Mitarbeitenden noch viele weitere, sehr zeitgemäße Benefits an.
Mikromanagement war gestern. Stattdessen geht es um Vertrauen, einen Anwesenheitswunsch und den Friyeah. Was das nun schon wieder ist, erfahrt ihr im Interview mit Andreas Herde. Er hat die Agentur gemeinsam mit seiner Frau gegründet.
HR Coffee Roulette
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YeaHR! ist eine Düsseldorfer Agentur, die sich auf Employer Branding, Recruiting, interne Kommunikation und Change spezialisiert hat. Wir sind sowohl national als auch international tätig und bieten unseren Kunden die gesamte Wertschöpfungskette von Research über Strategie, Kreation, Produktion und Roll-out. Zu unseren Kunden gehören unter anderem Christ, Schleich, der Bund oder Arvato.
Ich selbst komme aus der Agenturwelt, dem Branding und Marketing. Meine Geschäftspartnerin Kristen ist nicht nur meine Frau, sondern hat auch 15 Jahre Konzernerfahrung im HR. Eine perfekte Kombination also. Im Moment gibt es bei uns 20 fest angestellte Mitarbeiter:innen. Zu Hochzeiten haben wir aber auch schon mit 40 Mitarbeiter:innen an Projekten gearbeitet.
Wie würdest Du Dein Unternehmen einordnen? Arbeitet ihr remote-first / remote-only oder seid ihr eher ein Hybrid Work Arbeitgeber?
Eigentlich arbeiten wir seit Anfang März 2020 komplett remote, bedingt durch Corona. Wir haben diese Arbeitsweise während der Coronapandemie perfektioniert und mittlerweile Kollegen:innen in ganz Deutschland eingestellt, in Berlin oder Frankfurt etwa.
Während Corona haben wir uns ein neues Office gegönnt und das aber im Grunde schon für die Post Corona Zeit ausgestattet. Es gibt nur fünf Arbeitsplätze, die man per App buchen kann. Jedes unserer Meetings muss bei uns aber grundsätzlich hybrid oder komplett virtuell möglich sein. Der Rest des Office ist ein großer Spielplatz mit Kaminecke. Zum Workshoppen, kreativ sein und socializen.
Eine Anwesenheitspflicht – wir nennen es lieber „Anwesenheitswunsch – haben wir nur 1x im Monat. Und zwar für einen gemeinsamen Teamtag in Düsseldorf.
Gestartet sind übrigens mal als ganz „klassische Agentur“ mit Schreibtischen, Anwesenheit, Bürohund und dem obligatorischen Bier nach Feierabend.
Warum habt Ihr Euch dafür entschieden, komplett remote zu arbeiten?
Zunächst einmal, weil wir gemerkt haben, dass es problemlos funktioniert. Unser Credo als Employer Branding Agentur lautet außerdem: Der Job muss zum Leben passen. Und dafür schaffen wir die besten Rahmenbedingungen.
Sei es 5 EUR Zuschuss zur täglichen Verpflegung mit Lunchit, der Ausstattung fürs Home-Office (Tische, Stuhl, Hardware und Co), einem virtuellen Coaching für alle, remote Arbeiten in London oder maximal individuellen Arbeitsverträge.
Obendrauf gibt es bei uns den Friyeah. Seit Juli bleibt unser Office am Freitagnachmittag geschlossen. Das geht, weil wir unsere Arbeitsstunden von 40 auf 36 reduziert haben. Wir ermöglichen allen Mitarbeitenden, die Stunden auf 4 oder 4,5 Tage zu verteilen. Das kommt gut an.
Weiterhin setzen wir stark auf das Prinzip der Eigenverantwortung und geben einen großen Vertrauensvorschuss. Uns ist erst mal egal wo und wann jemand die Tasks bearbeitet, solange die Qualität stimmt.
Wie funktioniert Eure Arbeitsweise im Alltag? Gibt es bei Euch so etwas wie einen üblichen Tagesablauf oder Routinen wie Stand-ups, Retros oder Ähnliches?
Montagmorgen gibt es ein kurzes virtuelles Stand-up. Da teilen wir die News zu Projekten, Wochenenderlebnisse und die Tasks der Woche. Donnerstags ist Planung für die nächste Woche angesagt. Heißt: Das Projektmanagement verteilt die offenen Tasks auf die Gewerke. Wann, mit welcher Reihenfolge und Prio ist den Mitarbeitenden überlassen. Ausnahmen bestätigen die Regel, etwa, wenn harte Deadlines anstehen.
Donnerstagabend dann noch ein Abschlussmeeting mit Highlights und Lowlights der Woche, sowie Danksagungen an Kollegen:innen dazu. Da kommen alle Mitarbeiter:innen mal dran.
Und dazwischen gibt es natürlich die üblichen Projekt- oder Kundenmeetings.
Mit welchen Maßnahmen sorgt Ihr für die Unternehmenskultur, Mitarbeiterbindung, die Motivation im Team und dass niemand unter Isolation leidet oder Gefahr läuft unbemerkt krank zu werden?
Natürlich gibt es bei uns das klassische 1:1 mit Führungskräften. Zusätzlich bieten wir unseren Mitarbeiter:innen ein kostenloses Coaching mit einem externen Anbieter an. Wir verfolgen ganz klar die Politik: Wer die Hand hebt, dem wird geholfen.
Hinzu kommen noch etliche Health Benefits wie Fortbildungen, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, bis zu 50 Tage Urlaub, ein ConcYeaHRge Service, der auch bei privaten Dingen wie Blumen oder Restaurantreservierungen hilft und, und, und.
Welche Tools setzt Ihr im täglichen Arbeitsalltag für die Zusammenarbeit ein?
Wir haben von Slack auf MS Teams geswitcht, wo wirklich das meiste abläuft.
Für Planung und Projektmanagement Tasks haben wir noch eine Agentursoftware, die einem Kanban-Board nicht ganz unähnlich ist. Dazu ein Ablagesystem und eine WhatsApp-Gruppe, die vorwiegend für emotionale, witzige Themen und den typischen Agenturquatsch gedacht ist.
Setzt Ihr auf bestimmte Methoden wie OKR, oder Ähnliches?
Nein, so krass ist es bei uns nicht.
Setzt Ihr ein Tool ein, um die Zufriedenheit Eurer Mitarbeiter zu messen?
Dafür waren wir bisher zu klein, aber wir werden jetzt ganz klar messen, wie sich die 4/4,5Tage Woche auswirkt. Hilft es der Work-Life-Balance, schaffe ich meine Arbeit, bin ich produktiver? Die Ergebnisse dazu gibt es Ende des Jahres.
Welche Erfahrungen macht Ihr bezüglich der Produktivität in Eurem Unternehmen, während der Großteil der Belegschaft nicht physisch zusammenarbeitet? Bemerkt Ihr Effekte beispielsweise bei der Mitarbeiterzufriedenheit, dem Mitarbeiter-Engagement, in der Kommunikation oder der Unternehmenskultur, seitdem Ihr remote arbeitet?
Wir achten so unfassbar darauf, dass wir Menschen mit der richtigen Attitüde einstellen, sodass unsere Kultur auf sehr menschlichen Säulen steht. Zudem sind es alles Profis, die realistisch ihre Zeit und ihren Output einschätzen können.
Am Anfang mussten auch wir hybrid / remote erst mal üben. Aber wenn jede/r die Eigenverantwortung so lebt wie bei uns heute und man sich auf alle verlassen kann, dann klappt das wunderbar.
Ansonsten kümmern sich alle gleichermaßen um Engagement und Zufriedenheit. Mitarbeiter:innen verabreden sich untereinander zum Kaffeetrinken, wir hatten Online-Fitness Programme, Wein- und Gin-Tastings, virtuelle Weihnachtsfeiern und zur Einführung unserer New Work Spielregeln sogar ein Grußwort von David Hasselhoff.
Was sagen Eure Kunden zu Eurer Arbeitsweise?
Sie bekommen ihre Antworten so schnell und zuverlässig wie immer und vermissen aktuell nichts. Klar: einige Unternehmen haben die Präsenz im Büro wieder für sich entdeckt und wir hinterfragen dann man schon mal, ob ein 1-Tages-Trip nach München für ein 30-minütiges Meeting wirklich Sinn ergibt. Die meisten sind da aber glücklicherweise überraschend flexibel. Wir haben in den letzten 2,5 Jahren bestimmt über 100 Fokusgruppen und fast 1000 Einzelinterviews komplett virtuell geführt. Vom brasilianischen Urwald bis nach Singapur. Es klappt!
Welche Pläne gibt es bei Euch, um Zusammenarbeit oder vielleicht sogar die Wirtschaftlichkeit Eures Unternehmens weiter zu optimieren?
Wir haben jetzt erst mal einen sehr großen, progressiven Wurf hingelegt und müssen erstmal daraus lernen. Das war jetzt gerade weniger Evolution, sondern mehr Revolution. Verursacht durch Corona sowie unsere neuen Spielregeln, die seit diesem Jahr gelten.
Was würdet Ihr Unternehmen raten, die gerne auf Remote Work oder Hybrid Work umsteigen wollen, aber noch ganz am Anfang stehen?
Alles startet beim Vertrauen. Und es endet mit Mikromanagement. Wenn ich nicht darauf vertraue, dass Menschen ihre Arbeit eigenständig nach ihren eigenen Spielregeln in bester Qualität zu einem vereinbarten Zeitpunkt erledigen können, brauche ich über alles andere gar nicht nachzudenken. Vertraue ich aber darauf, steht einem kompletten Kulturwandel nichts im Wege. Wir hoffen, das konnten wir mit unserem Case ein bisschen belegen.
Danke für den tollen Einblick, lieber Andreas! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und hoffen, dass möglichst viele Leser sich durch Euer Beispiel inspiriert fühlen!
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